«Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh mit anderen zusammen.»
Afrikanisches Sprichwort
Partizipation bedeutet Teilhabe oder Mitbestimmung. Der Begriff beschreibt die aktive Mitwirkung von Menschen bei Veränderungsprozessen, von denen sie selbst betroffen sind. Der Einbezug Betroffener ist eine Grundhaltung, die zur nachhaltigen Entwicklung einer Destination gehört. Partizipation kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden: Von konkreten Projekten über die gemeinsame Entwicklung einer Vision für die Destination bis zur Erarbeitung einer breit akzeptierten Strategie.
Alle mitreden und mitentscheiden zu lassen, ist nicht immer der beste Weg. Zu viel Partizipation kann zu Verzögerungen oder gar zu Handlungsunfähigkeit führen. Entscheidend ist daher die Wahl der geeigneten Partizipationsstufe für jede Person oder Personengruppe:

- Information: Die erste Stufe beinhaltet die Information der Betroffenen über anstehende Entscheidungen und die Hintergründe. Beispiele dazu sind DMO-Newsletter an die Leistungsträger oder die Information der Bevölkerung zu einem neuen Mobilitätskonzept. Die erste Stufe gilt als eine Vorstufe der Partizipation.
- Mitsprache: Bei Partizipation auf der zweiten Stufe werden die Meinungen der Beteiligten abgeholt. Diese werden bei Entscheidungen eventuell berücksichtigt. Beispiele dazu sind Feedback-Runden zu einer neuen Strategie oder Online-Umfragen bei der Bevölkerung zur Zufriedenheit mit dem Tourismus in der Destination.
- Mitbestimmung: Bei der dritten Stufe können die Beteiligten in bestimmten Bereichen eigenständig entscheiden. Mitbestimmung ist zum Beispiel, wenn lokale Leistungsträger die Auswahl von Pilotprojekten aktiv mitbestimmen können oder wenn in einer Arbeitsgruppe zu neuen Winterangeboten Tourismusbetriebe, Vereine, Gemeinde und DMO zusammenarbeiten und gemeinsam Entscheide fällen.
- Selbstbestimmung: Bei der vierten und höchsten Stufe treffen die Beteiligten alle wichtigen Entscheidungen selbst und setzten diese selbstorganisiert um. Beispiele dazu sind Community-basierte Tourismusangebote oder durch lokale Initiativen aufgebaute Dorffeste, die auch einen touristischen Mehrwert bieten.
Die Kunst ist, die Beteiligten und die Stufe der Partizipation sorgfältig auszuwählen und die Formate abwechslungsreich zu gestalten und gekonnt durchzuführen, um Partizipationsmüdigkeit zu vermeiden.
Eine Destination lebt von der Vielfalt ihrer Akteur:innen und deren Aktivitäten – von Unterkünften, Gastronomie und Bergbahnen über Kulturschaffende und Umweltorganisationen bis hin zu Gemeinden und regionalen Behörden. Was Gäste erleben, ist stets ein Zusammenspiel all dieser Elemente. Sie nehmen die Region als Ganzes wahr. Eine stimmige Positionierung entsteht, wenn alle Beteiligten gemeinsam eine Vision und klare Ziele erarbeiten. Wer mitgestaltet, identifiziert sich stärker mit dem Ergebnis und trägt es mit. So ziehen alle am selben Strang. Dadurch wird die Positionierung tatsächlich gelebt und ist authentisch und glaubwürdig.
Bei Themen wie Nachhaltigkeit, Mobilität oder Besucher:innen-Management ist eine Zusammenarbeit unverzichtbar. Solche Aufgaben lassen sich nur gemeinsam lösen. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt und die Umsetzungskraft wird erhöht.
Der Einbezug unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen bringt neue Ideen. Partizipation ist ein Mittel, um kreative, tragfähige Lösungen zu entwickeln und gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen. So wird Innovation möglich und damit eine zukunftsfähige, langfristig erfolgreiche Destinationsentwicklung.
Die Partizipation der Bevölkerung an der Tourismusentwicklung bewirkt eine Tourismussensibilisierung und dies stärkt die Tourismusakzeptanz. Partizipation macht Prozesse transparent und stärkt das Vertrauen. Einheimische sind dadurch den Tourist:innen gegenüber positiver eingestellt und stark frequentierte Orte werden weniger als Overtourism empfunden.
Ein gut gestalteter Partizipationsprozess wirkt über das einzelne Projekt hinaus: Er stärkt die Zusammenarbeit innerhalb der Destination und fördert eine Kultur von Vertrauen und langfristigen Partnerschaften.
Zwar erfordert Partizipation zunächst Zeit und Ressourcen. Doch langfristig lassen sich durch eine gemeinsame Planung und geteilte Verantwortung oft Konflikte vermeiden und damit Zeit, Geld und Energie sparen.
Tipps
Vorher
Warte nicht auf die Letzten – setze auf die Engagierten! Etwa ein Drittel ist motiviert, ein Drittel beobachtet, ein Drittel bleibt passiv. Nutze die Energie der Aktiven, um Bewegung in den Prozess zu bringen.
Unterschiedliche Perspektiven sind kein Hindernis, sondern eine Bereicherung. Sie ermöglichen das Denken ausserhalb des Gewohnten und damit Innovation. Binde unterrepräsentierte Gruppen und kritische Stimmen gezielt ein.
Stelle sicher, dass die Veranstaltung selbst möglichst nachhaltig durchgeführt wird. Dies erreichst du zum Beispiel durch eine regionale Verpflegung mit mehrheitlich pflanzlichen Produkten und durch die Anpassung des Veranstaltungsortes und der Durchführungszeit an den öffentlichen Verkehr.
Eine ansprechende und wertschätzende Einladung prägt die Grundstimmung der Veranstaltung. Zeige klar auf, weshalb sich die Teilnahme lohnt und welchen Nutzen die Beteiligung hat. Die Einladung zu einem anschliessenden Apéro hat oft erstaunliche Wirkung. Neben der schriftlichen Einladung ist die persönliche Kontaktaufnahme besonders wirkungsvoll. Plane genug Zeit ein, um bei wichtigen Stakeholdern frühzeitig persönlich nachzufassen.
Richte Beteiligungsformate auf deine Zielgruppen aus. Passende Zeiten, Orte, Sprache und Methoden erhöhen die Chance, dass sich Beteiligte aktiv einbringen.
Um schwer erreichbare Personen besser einzubeziehen, kannst du Beteiligungsformate an bestehende Veranstaltungen koppeln, zum Beispiel mit einem Walk-in-Stand an einem Markt.
Während
Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass die Teilnehmenden ihr Bestes beitragen können und eine motivierende Zusammenarbeit entsteht. Stelle eine vertrauensvolle Atmosphäre sicher, in der sich alle ernstgenommen und wertgeschätzt fühlen, Fragen gestellt werden können und verschiedene Perspektiven willkommen sind.
Eine gute Verpflegung mit lokalen, möglichst pflanzlichen Produkten, ein ansprechend dekorierter Raum und die einladende Haltung eines Gastgebers oder einer Gastgeberin tragen viel zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Plane die Veranstaltung detailliert und bleibe in der Durchführung flexibel. Führe die Veranstaltung mit einer Prise Humor durch, es soll Freude machen, sich gemeinsam für die nachhaltige Entwicklung der Destination einzusetzen.
Zeige an der Veranstaltung mit Fakten zur Destination wie zum Beispiel Anzahl Tonnen Abfall, Liter verbranntes Heizöl oder Ergebnisse aus einer Umfrage zur Tourismusakzeptanz die Dringlichkeit des Themas auf. Das ermöglicht eine sachliche Diskussion ohne Verharmlosungen oder Übertreibungen.
Es bewährt sich, über konkrete Vorschläge zu diskutieren. Das schafft Orientierung und hilft, einem gemeinsamen Ziel näher zu kommen. Völlig offene Fragen können dazu führen, dass Diskussionen vage bleiben und keine greifbaren Ergebnisse entstehen.
Nicht jede Situation erfordert gleich die höchste Stufe von Partizipation. Entscheidend ist, dass du von Anfang an transparent und klar kommunizierst, was mitgestaltet werden kann, wer entscheidet und was mit den Ergebnissen passiert. Mit Transparenz verhinderst du Frustration bei den Beteiligten und steigerst die Akzeptanz – auch bei kritischen Stimmen.
Nachher
Kommuniziere zeitnah, was mit den Ergebnissen der Beteiligung passiert, welche Vorschläge aufgenommen werden, was umgesetzt wird und weshalb gewisse Ideen nicht weiterverfolgt werden. So bleiben der Prozess transparent und die Motivation zur weiteren Beteiligung erhalten.
Integriere die Beteiligung in die Abläufe innerhalb der DMO. Baue Feedbackschlaufen ein, zum Beispiel im Marketing, im Strategieprozess, in der Angebotsentwicklung oder in der Mitgliederkommunikation. Plane Folgeformate, damit Partizipation nicht als Einzelanlass verpufft, sondern Teil der Organisation wird.
Good-Practice-Beispiele

Gruppa Dürabilità Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair TESSVM
Die Gruppa Dürabilita vereint Einheimische, Zweitheimische und Gäste, um gemeinsam bei Mitmachaktionen für ihre Region anzupacken.
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Austauschplattformen St. Gallen–Bodensee Tourismus
St. Gallen–Bodensee Tourismus vernetzt seine Mitglieder mit vielfältigen Austauschformaten, von der Mitgliederversammlung über Fachreferate bis zu gemeinsamen Anlässen für Tourismus und Kulturschaffende.
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Zukunftsbild Oberwallis: Wir wachsen zusammen
Der Verein Region Oberwallis erarbeitete mit Bevölkerungsumfragen und einer vielfältig zusammengesetzten Impulsgruppe eine breit abgestützte Vision für die nächsten Jahre.
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Die Region Sursee-Mittelland macht sich zukunftstauglich
Die Region Sursee-Mittelland entwickelte ein gemeinsames Zukunftsbild für die nächsten 15 Jahre, mit fast 2000 Beteiligten, digitalen und analogen Mitwirkungsformaten und einem Bürgerrat.
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Tourismus mit Herz. Gemeinsam für den Tourismus in Chur
Chur Tourismus sucht mit einer mehrjährigen Initiative den Dialog mit der Stadtbevölkerung, um deren Bedürfnisse zu verstehen und Einheimischen den Tourismus näher zu bringen.
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PIZ Montafon – das Zukunftslabor der Montafon Tourismus GmbH
Das PIZ Montafon ist der erste rein touristische Innovation Hub im Alpenraum. Mit kollaborativen und co-kreativen Ansätzen entstehen Lösungen für die nachhaltige Tourismusentwicklung der Region.
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Destination Stewardship in der Stadt Wien
Wien Tourismus nimmt mit «Destination Stewardship» Akteur:innen aus Hotellerie, Kultur und Stadtpolitik in die Verantwortung, die gemeinsam erarbeiteten Ziele und Strategien umzusetzen.
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Perspektive Lebensraum • Region St. Johann in Tirol
Die Region St. Johann in Tirol setzt auf Dialogprozesse, Community Talks und Akzeptanzumfragen, um den Tourismus und Lebensraum gemeinsam zu denken.
Zur WebseiteLiteratur

Mitreden und Mitgestalten Bern
Kompakte Arbeitshilfe zur Planung und Durchführung von Beteiligungsprozessen – mit Entscheidungshilfe zur Frage, ob Partizipation sinnvoll ist, und einer strukturierten Checkliste durch alle wichtigen Schritte.
Zur Arbeitshilfe
Methodenkatalog Wien
Umfassendes Praxisbuch der Stadt Wien zur Planung und Umsetzung von Beteiligungsprozessen – von den Grundbegriffen über die Zielgruppenanalyse bis hin zu einer grossen Auswahl an erprobten Methoden und Werkzeugen mit konkreten Praxisbeispielen.
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Leitfaden Partizipation Stadt Luzern
Niederschwelliger Einstieg ins Thema Partizipation – gut geeignet für alle, die erstmals einen Beteiligungsprozess aufbauen und sich einen Überblick verschaffen möchten.
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Qualität von Bürgerbeteiligung – Zehn Grundsätze mit Leitfragen und Empfehlungen (Bertelsmann-Stiftung)
Zehn Grundsätze für gute Bürgerbeteiligung, ergänzt durch konkrete Arbeitshilfen mit Leitfragen und Empfehlungen für die Praxis.
Zur Literatur
Information und Einbezug von Stakeholdern und der Bevölkerung (regiosuisse)
Umfassende Wissensseite zum Einbezug von Stakeholdern und Bevölkerung – mit Hintergründen, praktischen Tipps, Werkzeugen und weiterführenden Ressourcen für partizipative Prozesse.
Zur Literatur
Digitale Partizipation in der Regional- und Stadtentwicklung (regiosuisse)
Chancen, Grenzen und praktische Tipps zur Planung und Umsetzung von digitalen Beteiligungsformaten.
Zum Themendossier
Tipps und Tricks für die Beteiligung der Next Generation (regiosuisse)
Konkrete Empfehlungen, wie Jugendliche und junge Erwachsene in die Entwicklung der Region eingebunden werden können.
Zum Themendossier
Stakeholderdialog (Wissensportal nachhaltige Reiseziele)
Übersicht zu Publikationen, Praxistools und Good-Practice-Beispielen zum Einbezug von Stakeholdern in Tourismusdestinationen.
Zur LiteraturDie Checkliste Arbeitsfortschritt bietet dir eine Übersicht über alle Module und die einzelnen Themen. Mit ihrer Hilfe kannst du deinen Fortschritt laufend überprüfen und offene Themen erkennen und gezielt angehen.
