Modul

Vision und Strategie
Vorgehen & Tools

2Vision, Werte, strategische Ziele und Massnahmen entwickeln

Gemeinsame Erarbeitung der Strategie

Der Strategieprozess wird idealerweise in Form von zwei bis drei aufeinanderfolgenden Workshops durchgeführt, die von einer professionellen Moderation begleitet werden. In den Workshops erarbeitet oder überprüft und schärft die Arbeitsgruppe die Vision, Werte, Handlungsfelder, strategischen Ziele sowie Massnahmen mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit.

Die einzelnen Strategiebausteine werden oft iterativ erarbeitet. Das heisst, dass zum Beispiel die Werte mit dem Erarbeiten der strategischen Ziele noch klarer werden und noch einmal geschärft werden können. Durch dieses Vorgehen entsteht ein konsistentes Strategiepapier für die nachhaltige Entwicklung der Destination.

Erster Workshop: Vision und Werte

Im ersten Workshop entwickelt die Arbeitsgruppe eine Vision und Werte. Falls schon eine Vision und Werte bestehen, werden diese auf Nachhaltigkeitsaspekte überprüft und gezielt weiterentwickelt. Ziel ist es ein gemeinsames Verständnis einer nachhaltigen Destinationsentwicklung zu schaffen und zu klären, in welchem Umfang Nachhaltigkeit bereits verankert ist. Zur konkreten Workshopplanung steht dir das Tool «Drehbuch Workshop» zur Verfügung.

Inhaltlich empfiehlt es sich, mit Leitfragen zu arbeiten, um die Nachhaltigkeit umfassend zu integrieren. Nachfolgend findest du beispielhafte Leitfragen:

Vision kritisch prüfen

  • Ist Nachhaltigkeit als übergeordnetes Leitprinzip in der Vision verankert? Wie äussert sich das?
  • Bringt die Vision zum Ausdruck, welchen positiven Beitrag der Tourismus zur regionalen Wirtschaft (Ökonomie), für die lokale Bevölkerung (Gesellschaft) und den Natur- und Umweltschutz (Ökologie) in der Destination leistet?

Ist die Vision nicht mehr stimmig oder zeitgemäss, empfiehlt sich eine umfassendere Überarbeitung. Fehlen Ideen für eine nachhaltigkeitsorientierte Vision, können Kreativmethoden wie «Kopfstand» oder «Reportagen aus der Zukunft» den Einstieg ins visionäre Denken erleichtern.

Werte weiterentwickeln

  • Ist eine Wertehaltung vorhanden, welche nachhaltiges Handeln in der Destination widerspiegelt?
  • Werden beispielsweise Kooperationen innerhalb der Destination und darüber hinaus aktiv gefördert und gelebt?
  • Wie geht die Destination mit sensiblen Naturräumen und Schutzgebieten um?

Fehlt eine klare nachhaltigkeitsorientierte Wertehaltung, sollte diese gemeinsam erarbeitet werden. Zur Inspiration sind im Tool «Wertehaltung» weitere nützliche Leitfragen und Beispiele für Nachhaltigkeitswerte aufgeführt.

Zweiter Workshop: Strategische Ziele und Handlungsfelder

Strategische Ziele prüfen und weiterentwickeln

Im zweiten Workshop werden in der Arbeitsgruppe strategische Destinationsziele erarbeitet oder bestehende strategische Ziele auf Nachhaltigkeit hin überprüft. Dabei wird analysiert, inwieweit Nachhaltigkeit bereits in den Zielsetzungen verankert ist und ob die Ziele mit der Vision und den Werten der Destination übereinstimmen. Nachhaltigkeitsbezogene Ziele können sich unter anderem auf das Ressourcenmanagement, regionale Kooperationen oder die Tourismusakzeptanz beziehen.
Ein strategisches Ziel im Bereich Ressourcenmanagement könnte zum Beispiel lauten: Die Destination nutzt natürliche Ressourcen effizient und verantwortungsvoll und reduziert Umweltbelastungen, um die langfristige Tragfähigkeit des Tourismus sicherzustellen. Damit wird deutlich, in welchen Bereichen die Destination aktiv Verantwortung übernimmt und eine gestaltende Rolle in der nachhaltigen Entwicklung einnehmen will.

Zur Unterstützung des Einstiegs in die Diskussion mit der Arbeitsgruppe dienen die folgenden Leitfragen:

  • Sind die strategischen Ziele konsistent mit der Vision und den Werten der Destination?
  • Berücksichtigen die Ziele ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte in ausgewogener Weise oder bestehen Priorisierungen?

Für eine systematische Überprüfung der Zielsetzungen kann das Tool «Strategische Ziele» während des Workshops eingesetzt werden.

Handlungsfelder ableiten

Ausgehend von den strategischen Zielen werden Handlungsfelder abgeleitet, welche die wichtigsten Entwicklungsaufgaben thematisch bündeln. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Entwicklung der Destination und beugt der Fokussierung auf isolierte Projekte vor. Nachhaltigkeitsorientierte Handlungsfelder sind beispielsweise klimafreundliche Mobilität oder regionale Wertschöpfung. Eine klare Priorisierung der Handlungsfelder durch die Arbeitsgruppe ist sinnvoll, um Ressourcen gezielt einsetzen zu können und die Umsetzbarkeit sicherzustellen.

Nachfolgend findest du beispielhafte Leitfragen:

  • Sind die Handlungsfelder geeignet, aktuelle und zukünftige Herausforderungen (z. B. Klimawandel, Tourismusakzeptanz, Ressourcennutzung) gezielt zu adressieren?
  • Ermöglichen die Handlungsfelder in ihrer Gesamtheit eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung der Destination?
  • Bilden die Handlungsfelder Stärken der Destination, die weiter gestärkt werden sollen sowie Themen mit speziellem Entwicklungspotenzial ab?

Gibt es noch keine strategischen Ziele und Handlungsfelder oder fehlen klare Bezüge zur Nachhaltigkeit, empfiehlt sich eine fundierte Überprüfung der Ausgangslage anhand einer SWOT-Analyse. Diese berücksichtigt die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Destination und bildet die Grundlage für die Ableitung klarer Zielsetzungen sowie priorisierter Handlungsfelder. Dabei ist es wichtig, auch die bestehende Positionierung der Destination zu berücksichtigen.

Weiterführende Informationen zu einer nachhaltigkeitsbezogenen Analyse der Ausgangsituation findest du im Modul «Standortbestimmung».

Dritter Workshop: Massnahmen und Schlüsselprojekte

Im dritten Workshop liegt der Fokus auf der Planung der operativen Umsetzung der Strategie. Auf Basis der strategischen Ziele und der Handlungsfelder werden gemeinsam mit der Arbeitsgruppe konkrete Massnahmen und Schlüsselprojekte entwickelt. Dabei geht es nicht nur um eine Sammlung möglicher Aktivitäten, sondern vor allem um eine gezielte Auswahl und Ausgestaltung von Vorhaben, die einen wirksamen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Destination leisten. In diesem Prozessschritt werden Wirkung, Umsetzbarkeit, Ressourcenbedarf sowie mögliche Zielkonflikte zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Anliegen bewusst diskutiert und gegeneinander abgewogen. Durch eine klare Priorisierung wird sichergestellt, dass die verfügbaren Ressourcen gezielt eingesetzt und jene Vorhaben umgesetzt werden, welche die grösste Wirkung zur Zielerreichung erzielen.

Die Massnahmen und Schlüsselprojekte können inhaltlich unterschiedlich sein und beispielsweise die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen, Projekte zur Emissionsreduktion oder zur Besuchenden-Lenkung von Gästen in sensiblen Gebieten betreffen. Damit Nachhaltigkeit wirksam in der Strategie verankert ist, muss frühzeitig auch ein Monitoring- und Steuerungssystem angedacht werden. Dieses begleitet die Umsetzung der Strategie, macht Fortschritte nachvollziehbar und ermöglicht eine gezielte Steuerung. Vertiefende Informationen zur nachhaltigkeitsorientierten Projektentwicklung sind im Modul «Destinationsprojekte» zu finden; weiterführende Informationen zum Monitoring im Modul «Monitoring».

Von der Vision zur operativen Umsetzung am Beispiel Klimaverantwortung

Die nachfolgende Tabelle zeigt exemplarisch, wie aus der Vision und den Werten einer Destination über strategische Ziele und Handlungsfelder konkrete Massnahmen und Schlüsselprojekte abgeleitet werden. Gleichzeitig wird dargestellt, wie diese in messbare Ziele und Indikatoren überführt werden können. Das Beispiel bezieht sich auf einen Themenbereich – die Klimaverantwortung – und verdeutlicht den Zusammenhang zwischen strategischer Ausrichtung und operativer Umsetzung mit klarem Nachhaltigkeitsbezug.

EbeneInhalt
VisionDie Destination lebt einen verantwortungsvollen, klimabewussten Tourismus, der Treibhausgasemissionen reduziert, klimafreundliche Mobilität fördert und aktiv zum Schutz des Klimas beiträgt.
Wert(e)Klimaverantwortung
Strategisches ZielReduktion der tourismusbedingten CO₂-Emissionen durch Förderung einer klimafreundlichen An- und Abreise sowie Mobilität vor Ort.
HandlungsfeldNachhaltige Mobilität
Massnahmen / Schlüsselprojekte– Ausbau und Bewerbung klimafreundlicher An- und Abreiseangebote (ÖV)
– Kooperationen mit Mobilitätsanbietenden
– Aufbau einer Gästekarte (ÖV inklusive)
– Sensibilisierungskampagne für Gäste
Messbare Ziele / Indikatoren– Reduktion der tourismusbedingten CO₂-Emissionen im Mobilitätsbereich um 20 % bis 2040
– Anteil der Gäste mit ÖV-Anreise von mindestens 40 %
– Anzahl Betriebe mit aktiv beworbenen Mobilitätsangeboten