Eine Vision beschreibt das langfristige Zielbild einer Destination, den angestrebten Idealzustand. Sie verdeutlicht, in welche Richtung sich die Destination entwickeln möchte, um zukunftsfähig zu bleiben. Bei einer Vision mit integrierter Nachhaltigkeit werden wirtschaftliche, soziale und ökologische Interessen ausgewogen berücksichtigt.
Eine Strategie mit integrierter Nachhaltigkeit definiert, wie das festgelegte Zielbild bzw. die Vision einer nachhaltigen Destination konkret umgesetzt wird. Sie ist eine schriftliche Anleitung zum Vorgehen, in der strategische Ziele in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft gebündelt werden und verankert verantwortungsvolles Handeln. Sie legt fest, wie natürliche Ressourcen geschont, regionale Wertschöpfung gefördert, kulturelle Besonderheiten erhalten sowie soziale Teilhabe gestärkt werden. In der Strategie wird auch beschrieben, wie die nachhaltige Entwicklung in der Destination regelmässig überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Gemeinsam schaffen Vision und Strategie einen klaren Orientierungsrahmen: Die Vision zeigt auf, wohin die Reise gehen soll, während die Strategie den Weg dorthin beschreibt. Die Integration von Nachhaltigkeit ermöglicht eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung des Tourismus. Gleichzeitig ermöglichen Vision und Strategie einer Destination, auf globale Herausforderungen zu reagieren und die Zukunft vorausschauend zu gestalten.
- Klare Positionierung: Eine Vision verdeutlicht, welche Positionierung die Destination langfristig einnehmen möchte. Sie ist wegweisend, um sämtliche touristische Entwicklung daran auszurichten und sinnvolle Leitplanken zu setzen.
- Langfristige Sicherung des Tourismusstandorts und seiner Ressourcen: Natur, Kultur und Landschaften bilden das grundlegende Kapital einer Destination. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Ressourcen bewahrt ihre Attraktivität und sichert dauerhaft die Grundlagen des Tourismusstandorts.
- Sozialer und wirtschaftlicher Nutzen für Gemeinschaften strategisch verankert: Nachhaltiger Tourismus fördert beispielsweise lokale Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfungsketten, natur- und kulturnahe Freizeit- und Tourismusangebote. Dadurch kann die Lebens- und Arbeitsraumqualität deutlich gesteigert werden und ermöglicht es der lokalen Bevölkerung, an den Vorteilen des Tourismus teilzuhaben.
- Risikomanagement: Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und der Verlust der Biodiversität erhöhen die Risiken für Destinationen und können ihre touristische Attraktivität langfristig beeinträchtigen. Eine Nachhaltigkeitsstrategie unterstützt dabei, diese Risiken frühzeitig zu erkennen, proaktiv zu steuern und so weit wie möglich gezielt zu reduzieren.
- Rechtliche Vorgaben: Die gesetzlichen Anforderungen an Klimaschutz, Nutzung natürlicher Ressourcen oder Berichterstattungspflicht nehmen kontinuierlich zu. Eine Nachhaltigkeitsstrategie schafft hierfür einen verbindlichen Orientierungsrahmen und unterstützt Destinationen dabei, regulatorische Anforderungen systematisch, vorausschauend und rechtskonform umzusetzen.
- Steigende Erwartungen der Gäste: Gäste erwarten zunehmend nachhaltige Angebote sowie Transparenz hinsichtlich ökologischer und sozialer Auswirkungen touristischer Leistungen. Destinationen, die ihre nachhaltige Entwicklung mit einer Vision und Strategie belegen können, stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit.
- Akzeptanzförderung: Auch die lokale Bevölkerung fordert einen verantwortungsvollen Tourismus. Eine Nachhaltigkeitsstrategie trägt dazu bei, die Tourismusakzeptanz zu erhöhen und ermöglicht eine glaubwürdige, konsistente Kommunikation gegenüber allen relevanten Anspruchsgruppen.
Tipps
Nutze dein berufliches Netzwerk und tausche dich gezielt mit Personen aus, die bereits Erfahrung mit Nachhaltigkeitsstrategieprozessen in Destinationen haben. Der Austausch zu Vorgehen, Erfolgsfaktoren und möglichen Stolpersteinen liefert wertvolle Erkenntnisse und hilft dabei, Nachhaltigkeit realistisch, wirksam und praxisnah in die Strategie zu integrieren.
Verschaffe dir frühzeitig einen Überblick über regulatorische Rahmenbedingungen wie Klimaziele oder bestehende Strategien auf regionaler, kantonaler und nationaler Ebene. Berücksichtige zudem relevante Branchenstandards sowie laufende Nachhaltigkeitsprojekte in deiner oder angrenzenden Destinationen wie beispielsweise Mobilitäts-, Energie- oder Besuchenden-Lenkungsprojekte. Dies hilft, den Strategieprozess sinnvoll auszurichten und über die eigenen Destinationsgrenzen hinauszudenken.
Eine neutrale, externe Moderation kann für einen strukturierten Strategieprozess sehr hilfreich sein. Sie unterstützt dabei, unterschiedliche Interessen zu bündeln, Konflikte frühzeitig zu erkennen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu fördern. Sollte es aus Budgetgründen nicht möglich sein, kann der Prozess auch destinationsintern moderiert werden.
Eine offene Kommunikation über Ziele, Massnahmen und Ergebnisse stärkt Vertrauen. Ebenso wichtig ist eine klare Kommunikation dessen, was nicht erreicht werden soll, um realistische Erwartungen innerhalb, aber auch ausserhalb der Destination zu setzen.
Eine Strategie sollte einen klaren Orientierungsrahmen schaffen, zugleich aber bewusst offen für Anpassungen bleiben. Sie sollte so gestaltet werden, dass neue Erkenntnisse oder sich verändernde Rahmenbedingungen aufgenommen und in Ziele und Massnahmen integriert werden können.
Nachhaltige Entwicklung in einer Destination ist komplex und mit Zielkonflikten verbunden. Entscheidend ist, diese Komplexität anzuerkennen. Durch den partizipativen Einbezug verschiedener Perspektiven können Zielkonflikte in der Destinationsentwicklung nicht aufgelöst, aber bewusst ausbalanciert werden. Ein klar strukturierter Strategieprozess, Prioritätensetzung und eine verständliche Kommunikation helfen, den Überblick zu behalten.
Strategische Ziele sollten so formuliert werden, dass sie später konkretisiert und überprüft werden können. Es lohnt sich früh über messbare Indikatoren zu sprechen, ohne direkt in die Detailplanung abzurutschen.
Bereits in der Strategiephase ist auf Destinationsebene zu klären, wie die Finanzierung der Umsetzung gesichert wird, welche personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, welches Know-how vorhanden ist und wer die Verantwortung für einzelne Massnahmen trägt. Nur wenn die Zuständigkeiten zwischen Destinationsmanagement, Leistungsträgern und weiteren Akteur:innen klar definiert sind, lassen sich Nachhaltigkeitsmassnahmen realistisch planen und langfristig erfolgreich umsetzen.
Eine Strategie ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Sich verändernde Bedingungen und ein Wechsel von Stakeholdern erfordert, die Vision und Strategie zu überarbeiten. Empfehlenswert für die Überarbeitung ist ein Rhythmus von ca. 5 Jahren.
Good-Practice-Beispiele

Schweiz Tourismus – Nachhaltigkeits-Strategie 2030
Schweiz Tourismus definiert in ihrer Nachhaltigkeits-Strategie, wie Nachhaltigkeit im Schweizer Tourismussektor verstanden und umgesetzt wird. Die Strategie wurde mit Vertreter:innen aus der Branche sowie externen Expert:innen partizipativ erarbeitet.
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Zürich übernimmt Verantwortung | Zürich nachhaltig erleben
Zürich Tourismus verankert Nachhaltigkeit strategisch in der Destinationsentwicklung und verfolgt das Ziel, Zürich bis 2030 zu einer der nachhaltigsten Städtedestinationen weltweit zu machen. Die Strategie ist unter Einbezug aller relevanten Stakeholder entstanden.
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Nachhaltigkeit bei Ticino Turismo
Ticino Turismo hat zusammen mit den vier regionalen Tourismusorganisationen eine kantonale Tourismusstrategie bis 2030 entwickelt, mit dem Ziel, sich als authentische, nachhaltige und ganzjährig attraktive Erlebnisdestination zu etablieren.
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100% Valposchiavo
100% Valposchiavo ist ein gemeinsames Projekt von Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe mit der starken Vision, Landwirtschaft, Verarbeitung und Gastronomie im Tal zu vernetzen und Gästen lokalen Genuss zu bieten.
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Swisstainable au Val-de-Travers
Das Val-de-Travers zeigt, wie sich die nachhaltige Entwicklung einer Destination mit dem Swisstainable Programm schrittweise anstossen lässt.
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Tourismusperspektive Salzburg 2040 – Strategie für ganzheitlichen Qualitätstourismus
Salzburg 2040 versteht den Tourismus als integrativen Bestandteil der Stadtentwicklung mit Blick auf Lebensqualität, kultureller Vielfalt und nachhaltiger Nutzung des öffentlichen Raums. Rund 2800 Menschen haben in verschiedenen Formaten bei der Strategie mitgewirkt.
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Tourismus Strategie Vorarlberg 2030
Vorarlberg setzt Tourismus gezielt für Regionalentwicklung und Lebensqualität im Land ein. Die Strategie baut auf den Werten Gastfreundschaft, Regionalität, Nachhaltigkeit und Vernetzung auf. Mehr als 200 Vertreter:innen der Branche haben sie gemeinsam erarbeitet.
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Tourismusstrategie Brandenburg
Brandenburg setzt auf Tourismus als Treiber für Lebensqualität, ökologischen Wandel und Regionalentwicklung. Die Strategie adressiert fünf Handlungsfelder, von klimaneutralem Wirtschaften bis zu nachhaltiger Mobilität. Über zwei Jahre entstand in Regionalkonferenzen, Fokusgruppen und Werkstätten mit mehreren hundert Teilnehmenden eine breite Basis für die Strategie.
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Leitfaden: Nachhaltigkeit im Salzburger Tourismus
Umfassender Leitfaden für Destinationsmanager:innen zur Integration von Nachhaltigkeit. Mit konkreten Handlungsempfehlungen, Schritt-für-Schritt-Vorgehen und praxisnahen Tools entlang der gesamten Nachhaltigkeitsentwicklung in Destinationen.
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Handbuch: Nachhaltige Destinationsentwicklung | Bayern Tourismus
Strategisches Arbeitsbuch für DMOs auf dem Weg zur nachhaltigen Destination. Mit einer gemeinsamen Vision, einer praxisorientierten Matrix mit 20 Handlungsfeldern und einem strukturierten Prozess von der Status-quo-Analyse bis zur Umsetzung konkreter Massnahmen.
Zum HandbuchDie Checkliste Arbeitsfortschritt bietet dir eine Übersicht über alle Module und die einzelnen Themen. Mit ihrer Hilfe kannst du deinen Fortschritt laufend überprüfen und offene Themen erkennen und gezielt angehen.
